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ND-Deutsches Neuland

D | 2004 | Dokumentarfilm | 65 min | DVCPro50 16:9

Kurzinfo

Der Medienpalast der ehemaligen DDR ist verschwunden. An seiner Stelle ist ein bizzarrer Zwischenort entstanden, einer der letzten Orte, an dem die alte Zeit noch fortlebt und die neue längst Einzug gehalten hat. Porträt eines Hauses und seiner exzentrischen Bewohner, das es so nicht mehr lange geben wird.

Stab

Angaben zum Stab
Regie Francois Rossier, Sandra Prechtel
Kamera Peter Badel
Schnitt Francois Rossier, Kolin Schult
Ton Sirko Löschner, Jan Weymann
Kurzinfo Francois Rossier, Sandra Prechtel
Redaktion Dr. Beate Schönfeldt
Produktionsleisuntg Sabina Engel
Produktion Andrea Ufer
Sender MDR

Kritik

NEUES DEUTSCHLAND
Hans-Dieter Schütt Sandra Prechtel und Francois Rossier drehten einen 70-minütigen Film über dieses Gebäude. Beobachtungsklug. Bildsicher. Sensibel. Als grüben sie sich durch Grabplatten in eine Katakombe – in der überraschend Leben flimmert! Es gibt ein Dasein nach dem Tod! Gleichsam über unseren journalistischen »Leichen«, die da im Keller lagern. Treue Weggefährten, und sei es im Gedächtnis der Leser. Das Gebäude: Büros, Stiftungen, Werkstätten, Lebens- und andere Künstler. Freilich, »wenn die ganze Welt aus solchen Häusern bestehen würde ...«, sagt ein junger Mann lächelnd, ein New Yorker im ND-Gebäude, die Augen erzählen von der Lust am Abseitigen. Schicksale in Momentaufnahmen. Leben abseits des Standesgemäßen, ein bisschen Untergrund und noch mehr underground; hier wuchs zusammen, was nicht zusammenpasst, aber doch zusammengehört: Verlorene, Verworfene, Verwegene. Ein Film wie eine Marthaler-Inszenierung im Bühnenbild von Anna Viebrock: Zeit ist immer, was schon gewesen ist. Eine Erinnerungs-Insel inmitten eines deutschen Geländes, das gar keine Erinnerungen mehr weitergeben will. Gut, dass der Film spätabends läuft. Der richtige Moment für Geschichten, die aus der Zeit fallen. Nur Geisterstunde ist im Fernsehen Geist-Stunde. Wenn selbst die wichtigsten Tuer des Tages kein Handy mehr in der Hand haben. Der Film blamiert jeden, der mit Langsamkeit und untergründigen Stimmungen nichts anfangen kann.

BERLINER ZEITUNG
Ralf Mielke Liebevoll und aus ungewöhnlichen Kameraperspektiven betrachten die Autoren diese eigentümliche Welt hinter den Mauern des einstigen Propagandazentrums, in dem die Vergangenheit, wie einer der Mieter sagt, noch in jeder Fuge steckt. Und in den nach und nach die Gegenwart einzieht.

FREITAG
Klaus Kreimeier Schon oft dachte ich, man müsste endlich einmal das unterirdische Deutschland erforschen, in Nazi-Katakomben, Gestapo- und Stasi-Keller, Luftschutz- und Atombunker diverser Regierungseliten hinabsteigen, um der Archäologie unserer jüngeren Geschichte auf die Spur zu kommen. Aber Plattenbauten tun es auch, in Berlin jedenfalls, wo unser 100-jähriges Elend - sei´s in Trümmern oder Monumenten, wilhelminischen Pracht- oder realsozialistischen Zweckgebäuden - noch immer üppig wuchernd an die Oberfläche drängt und dem Tageslicht den Weg versperrt. Ein stiller Film - auch dann, wenn elektronischer Sound durch die Gänge dröhnt. Ein Film, der mit ruhiger Kamera lauter Einsamkeiten protokolliert, sie unkommentiert nebeneinander stellt und jede einzeln für sich stehen lässt. Manchmal wird es dunkel im Film, weil die Beleuchtung im alten "Neuen Deutschland" nicht mehr richtig funktioniert. Manchmal geht es nicht weiter, weil der Paternoster ausgefallen ist. Und manchmal tritt Schweigen ein, dann helfen ein paar Klavierakkorde dabei, in die Ruhe hineinzulauschen. Ein stiller Film: So sind wir Deutschen nun einmal. Da hilft kein Geschrei.

Festivals

2004 47. Internationales Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm
2005 achtungberlin
2005 Rencontres Internationales Paris/Berlin

Galerie