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Stolperstein

Deutschland | 2007 | Dokumentarfilm | 52 - 73 min | Digitbeta 16:9

Kurzinfo

Dokumentarfilm über das größte dezentrale Denkmal Europas. Stolpersteine – Idee und Werk eines Künstlers – lösen eine hitzige gesellschaftliche Kontroverse um Geschichte, Verantwortung und Erinnerung aus. Bürger, Städte und Jüdische Gemeinden streiten um die Erinnerungssteine für Opfer des NS-Regimes.

DVD erhältlich bei GoodMovies: www.goodmovies.de/einzelansicht.php

Synopsis

Stolpersteine sind kleine Messingplatten, plan eingebettet in den Bürgersteig vor dem letzten Wohnsitz von Nazi-Opfern. ”Hier wohnte” steht darauf, dann folgen ein Name, der Zeitpunkt der Deportation und der Ort der Ermordung. Es gibt mittlerweile über 6000 dieser Steine, verteilt in ganz Deutschland und bald auch Europa. Jeder davon setzt ein Zeichen für ein Einzelschicksal und lässt die Menschen heute, auf ihren alltäglichen Wegen, über diese Vergangenheit stolpern. Stolpersteine sind ein Reibungspunkt, sie polarisieren und haben eine heftige Kontrov-erse in der Öffentlichkeit ausgelöst. In Städten wie München, Mainz, Krefeld oder Wien sind sie verboten, während der Bürgermeister von Hamburg oder Bundes-präsident Köhler sich persönlich dafür einsetzen. Stolpersteine werden von Unbekannten beschädigt oder herausgerissen, wie in Halle, und von Neo-Nazis offen bekämpft. Während der Zentralrat der Juden das Projekt offiziell unterstützt, wollen verschiedene jüdische Gemeinden verhindern, dass die Namen der Opfer mit Füßen getreten werden. Stolpersteine sind jedoch ein dezentrales Denkmal, das längst eine Eigendynamik entfaltet hat, weil es vom Engagement einzelner Bürger lebt. Jeder Stein wurde durch eine private Spende von 95 Euro finanziert. Hunderte von ehrenamtlichen Helfern recherchieren vor Ort die genauen Daten der Schicksale und sorgen für die nötigen Genehmigungen. Die meisten machen das für Opfer, die sie nie kannten und mit denen sie nicht verwandt sind. Stolpersteine sind zudem das Werk eines Aktionskünstlers, der bis heute jeden einzelnen davon mit seinen eigenen Händen fertigt, zu seinem Bestimmungsort bringt und dort persönlich verlegt. Gunter Demnig will den namenlosen Opfern ihre Identität zurückgeben und hat damit eine Lawine ausgelöst, die ihn nun zu begraben droht. Denn täglich wollen mehr Menschen an diesem Projekt teilnehmen, die Wartelisten reichen bis ins Jahr 2007, und mit Frankreich, Österreich, Dänemark und Tschechien expandieren die Stolpersteine nun auch nach Europa. Der Erwartungsdruck an Demnig wird immer höher. Stolpersteine stehen im Zentrum des Filmes als glänzende Projektionsflächen, anhand derer heute und ganz greifbar der Umgang mit unserer Geschichte verhandelt wird. Sie werden uns zu Menschen führen, für die das Projekt eine besondere Bedeutung hat. Zum Beispiel Peter Jordan, der wie die meisten Angehörigen darin einen Grab-steinersatz für seine ermordeten Eltern sieht - aber bis heute mit der Stadt München um seine Stolpersteine kämpfen muss. Oder Ute Latendorf, die mit ihren Freundinnen regelmäßig hunderte von Stolpersteinen in ganz Hamburg poliert - aus einem sehr persönlichen Grund: Ihre Väter waren Mitglieder der SS. Weil Stolpersteine eine demokratische Form der Erinnerungsarbeit sind, die von keiner Regierung in Auftrag gegeben wurde, werden wir durch sie bewegende persönliche Geschichten kennen lernen und eine hitzige, gesellschaftliche Kontroverse miterleben, die sich täglich weiter in Europa ausbreitet.

DVD erhältlich bei GoodMovies: www.goodmovies.de/einzelansicht.php

Stab

Angaben zum Stab
Regie Dörte Franke
Kamera Börres Weiffenbach
Musik N.N.
Schnitt Jana Teuchert
Ton Mario Köhler u.a.
Kurzinfo Dörte Franke
Redaktion Ulrike Dotzer, Christiane Hinz, Franz Grabner
Produktionsleisuntg Andrea Ufer
Produktion HANFGARN & UFER, Andrea Ufer
Coproduktion Troika Entertainment, Köln (M. Aust)
Sender WDR, NDR/ARTE, ORF
Förderer Nordmedia
Mitwirkende Gunter Demnig u.a.

Galerie