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Rosenkönige

Deutschland | 2006 | Dokumentarfilm | 30 min | DVCPro50 16:9

Kurzinfo

In dem kleinen Städtchen Diano Marina, an der ligurischen Küste Italiens, entsteht einmal im Jahr zur Fronleichnamsprozession ein riesiger Blütenteppich.

Synopsis

An der ligurischen Küste des Mittelmeers, geschützt in einer weit geschwungenen Bucht, liegt das Städtchen Diano Marina. 1887 bei einem Erdbeben komplett zerstört, wurde aus der einstmals mittelalterlichen Stadt ein rechtwinklig angelegtes, modernes und doch charmantes Urlauberzentrum. Im überschaubaren Stadtkern finden sich zwar auch Restaurants und touristisch angehauchte Boutiquen, aber Diano Marina hat sich seinen entscheidenden Rest Ursprünglichkeit bewahrt. Die Alten sieht man beim täglichen Plausch in der alteingesessenen Bäckerei. Die Jüngeren nehmen früh morgens in einer der vielen kleinen Tavernen einen eiligen Espresso vor Arbeitsbeginn oder noch rasch ein kurzes Sonnenbad am langen Sandstrand, der die Stadt auf der Küstenseite einrahmt – eine besondere Küste. Die Italiener nennen sie „Riviera dei fiori“, Blumenküste. Im späten 19. Jahrhundert begann hier die Umstellung der Landwirtschaft auf die Blumenzucht. In tausenden von Betrieben werden etwa 290 Blumensorten produziert, ungefähr 200 davon sind Rosen. Der Blumenmarkt im nicht weit entfernten San Remo gilt als einer der renommiertesten in ganz Europa. Blumen stehen daher auch im Mittelpunkt bei dem Großereignis, das einmal im Jahr das ganze Städtchen auf die Straße treibt: der Blütenteppich zur Fronleichnamsprozession. Dann verschwinden die Pflastersteine der Gassen im Stadtzentrum unter einem Meer von bunten Rosenblüten - liebevoll angeordnet in einem überbordenden Muster, das auf dem Marktplatz in einem kunstvollen Formen-Mosaik zusammenläuft. Um acht Uhr am Abend des Vortages betreten zwei Männer die Szenerie – ein galanter älterer Herr und ein junger Mann, der beinahe sein Enkel, mindestens aber sein Sohn sein könnte. Paolo Scati (76) und Agostino Ardissone (30) sind die Meister des Musters. Gemeinsam schreiten sie von Gasse zu Gasse, bewaffnet mit allerlei Mess- und Malutensilien. Wie jedes Jahr müssen zuallererst die Linien sorgsam mit Kreide auf den Stein gezeichnet werden. Das Muster des immerhin einen Kilometer langen Blütenmeers haben die beiden wie schon in den zehn Jahren zuvor in Gemeinschaftsarbeit entworfen. Maler und Bildhauer Paolo ist der kreative Kopf, der eigentlich als Vermessungsingenieur arbeitende Agostino führt die Ideen des eigenwilligen Künstlers aus. Zentimetergenau übersetzt er dessen abstrakte grafische Vorstellungen in einen mathematisch berechneten Plan. Steht die Skizze, kalkuliert er bis ins Detail genau, wie viele Tonnen Blüten sie von welcher Farbe brauchen. Die symbiotische Zusammenarbeit der beiden funktioniert ohne viele Worte. „Niemand kann meine Gedanken so schnell entschlüsseln wie Agostino“, sagt Paolo. „Wir verstehen uns blind. Und wenn meine Einfälle wieder einmal zu verrückt werden, holt er mich auf seine unnachahmlich Art wieder auf die Erde zurück.“ Mittlerweile hat er, der selbst schon seit 40 Jahren das organisatorische Herz des Blütenteppichs ist, den jungen Agostino in sämtliche Geheimnisse seiner Kunst eingeweiht – eine Fertigkeit, die selbst an der ligurischen Blumenküste nicht viele beherrschen. Denn in der besonders aufwändigen Verwendung lediglich der Blüten bildet Diano Marina eine Ausnahme. In den anderen Dörfern macht man sich diese Mühe nicht, dort schreiten die Prozessionszüge über einen Teppich aus ganzen Blumen.

Stab

Angaben zum Stab
Regie Maria Teresa Curzio
Kamera Ralf Ilgenfritz und René Kirschey
Schnitt René Kirschey
Ton Matthias Reitschmann
Kurzinfo Maren Rosengarten
Redaktion Andrea Brandis
Produktionsleisuntg Andrea Ufer
Produktion Andrea Ufer, Gunter Hanfgarn
Sender ZDF/Arte