Kurzinfo
„I am from nowhere“, pflegte Andy Warhol auf die Frage nach seiner Herkunft zu antworten. Aus einem solchen „Nirgendwo“ emigrierte 1921 seine Mutter Julia Warhola in die USA: Aus dem 150-Seelen-Dorf Miková in der Ostslowakei, an der Grenze zur Ukraine und Polen. Auf der Suche nach den Wurzeln des Pop-Art-Malers begannen Fernsehteams aus aller Welt die winzige Ortschaft zu überschwemmen. Der Medienrummel hat seine Spuren hinterlassen: Seither träumen die Einwohner Mikovás von ihren eigenen 15 minutes of fame.
I am from Nowhere spürt den Folgen dieser Erschütterung nach, verwebt dabei die Einzelschicksale mit medialer Reflexion, die sowohl das Wissen um die Vorgängerfilme, die Einbindung verschiedener Formate (Video und Film) wie auch das verblüffende Auftauchen typischer Warhol-Sujets in völlig anderem Umfeld umfasst. Der Maler ist dabei nur ein Bezugspunkt für die eigentlichen Protagonisten des Films: Die Einwohnerschaft des Örtchens hat die Sehnsucht nach einem besseren Leben, nach Reichtum und Ruhm gepackt, eine Sehnsucht, die vermischt ist mit einer Vision von Amerika - die freilich nur aus den Bildern des Satellitenfernsehens gespeist ist, das die große Welt in das kleine Dorf bringt. „I am looking forward to being on TV, because maybe somebody will envy me for being so famous, because of Andy Warhol, my cousin. “, sagt eine Bewohnerin.
Der Umgang mit Kameras ist Mikovás Bürgern längst selbstverständlich: Der kommunistische Ex-Bürgermeister etwa hat sein eigenes „Kunst“-Werk, den „Welttraktor“, zusammengesetzt aus Trabant-Motor, Mercedes-Achse und tschechischem Differenzialgetriebe, schon Dutzende Male für Film und TV präsentiert. Die Hauptfigur von I am from Nowhere hat zur Verwirklichung seines persönlichen American Dream selbst zur Kamera gegriffen: Jozef Keselica, dessen Videotagebuch einen eigenen Erzählstrang bildet, investiert die meiste Energie in die Verwirklichung seiner Träume. Er ist einer der wenigen in der Region, der es zu einer Reise in die USA bringt, bei der jedoch alles ganz anders ist als erwartet. So erzählt I am from Nowhere auch davon, dass Visionen, insbesondere medial gespeiste, trügerisch sein können, aber dennoch lebensnotwendig sind.
Der leise Humor von I am from Nowhere verdankt sich der tragikomischen Diskrepanz zwischen der vom plötzlichen Ruhm beflügelten Selbstüberschätzung seiner Protagonisten und den Fakten ihrer „vergessenen“ Existenz. Die streckenweise beinahe surrealen Vorgänge in Miková werden dabei zum Spiegelbild universaler menschlicher Sehnsüchte, das kleine Dorf zum Global Village. In den widersprüchlichen Erzählungen seiner Protagonisten reflektiert I am From Nowhere zugleich die merkwürdigen Entstehungsprozesse dieser kollektiven Träume. Auf den ersten Blick Gegensätzliches wird produktiv zusammengedacht, indem der eigene Aufnahmeapparat geschickt ins Geschehen eingebunden wird. Vor dieser Kamera, das wissen Mikovás Einwohner, gehören ihnen noch einmal achtzig Minuten Ruhm.
Stab
| Angaben zum Stab
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| Regie |
Georg Misch |
| Kamera
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Silvia Beck |
| Musik
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Mikhail Alperin |
| Schnitt
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Michael Palm |
| Ton
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Marian Gregorovic, Rudolf Potancok, Georg Misch, Georg Misch, Peter Gajdos |
| Kurzinfo
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Georg Misch und Silvia Beck |
| Redaktion
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Martin Pieper, Anthony Wall, Lea Gallova |
| Produktion
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Gunter Hanfgarn, Johannes Rosenberger, Martin Rosenbaum |
| Coproduktion
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Navigatorfilm, Wien und Lone Star Productions, London |
| Sender
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ZDF/Arte, BBC, Slovak Television |
| Förderer
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Wiener Filmfonds |
Festivals
2003 Duisburg |
2002 Locarno |
2002 Bratislava |
2002 Hof |